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Auswandern

Auswandern bezeichnet das freiwillige oder gezwungene Verlassen des Heimatlandes auf Dauer. Die Gründe dafür können vielfältig sein und im wirtschaftlichen, politischen, religiösen oder individuellen Lebensbereich liegen.

2005 haben sich 160.000 Deutsche offiziell abgemeldet, insgesamt dürften sich aber schätzungsweise 250.000 Deutsche aus ihrem Heimatland verabschiedet haben. Das Ausmaß der "Flucht aus Deutschland" wird besonders dann deutlich, wenn man diese Zahlen einmal auf tägliche Werte umrechnet: jeden Tag verlassen also zwischen 438 und 685 Menschen Deutschland auf Nimmerwiedersehen. Dies sind die höchsten Auswanderungszahlen seit 1954!

In erster Linie verabschieden sich gut ausgebildete Fachleute, aber auch Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Deutsche fassen sich mittlerweile ein Herz und wagen den Neuanfang in einem anderen Land. Diese Entwicklung ist für das Ursprungsland schädlich, Migrationsforscher Klaus Bade spricht gar von einer "migratorisch suizidalen Situation" für Deutschland.

Für die meisten Durchschnittsbürger Deutschlands liegen die Gründe für das teilweise fluchtartige Verlassen ihrer Heimat auf der Hand: die Arbeitnehmer werden immer weiter ausgeplündert, ausgepresst und mit der Drohung des Arbeitsplatzverlustes erpresst, während korrupte Politiker und Beamte in allen Etagen der deutschen Bürokratie sich selbst bereichern, wenn sie sich mit diversen Nebenjobs und Geschenken den Verrat am Wahlvolk versüßen lassen. Anstatt wirkungsvolle Gegenmaßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit zu ergreifen, werden die Arbeitslosen wie Kriminelle verfolgt, kontrolliert, gedemütigt, entwürdigt, beschimpft und in die Armut getrieben. Wie es anders gehen kann, zeigen Länder wie Schweden, wo Arbeitslose hohe Bezüge und hochwertige Weiterbildungen oder Umschulungen erhalten, während die zuständigen Beamten ihnen Stellen suchen und sie auch nach den Berufseinstieg weiter begleiten, um eine erneute Arbeitslosigkeit zu verhindern. Deutschland hingegen beschloß Hartz IV und kürzlich ein verschärfendes "Optimierungsgesetz", das die Milliardenüberschüsse der Bundesagentur für Arbeit ebenso "optimieren" soll wie die Arbeitslosenzahlen - ohne Rücksicht auf Verluste, solange sie "nur" die Arbeitslosen betreffen.

Oder nehmen wir das Bildungssystem. Seit vielen Jahren bestätigt sich immer wieder, dass Chancengleichheit noch lange nicht existiert, so dass der schulische und berufliche Erfolg junger Menschen immer mehr davon abhängt, ob sie die "richtigen" Eltern mit dem passenden Bankkonto haben. Was geschicht? Man beschließt Studiengebühren, unternimmt außer einem Pakt mit den verlogenen Teufel der Konzern-Wirtschaft nichts gegen wegbrechende Ausbildungsplatz- Angebote und die Kultusministerkonferenz liefert sich wegen PISA ein Gehacke wie im Hühnerstall, während Tag für Tag menschliche Potentiale in geradezu wahnsinnigen Größenordnungen den Bach runtergehen. Potentiale, die Deutschland mehr als dringend nötig hätte.

Ein weiteres, wenn nicht gar DAS Hauptproblem Deutschlands: die bürgerfeindliche und überteuerte Bürokratie, die sich zur eigenen Legitimation immer mehr Kontrollen und Zwang gegen unschuldige Bürger ausdenkt, damit die Bürokraten was zu tun haben. Alleine die Bundesagentur für Arbeit beschäftigt weit über 90.000 Beamte, von denen aber nur ungefähr 10.000 Mitarbeiter in der Vermittlung und anderen mehr oder weniger sinnvollen Bereichen tätig sind. Der Rest sind Verwaltungsaffen, die man mit modernen IT-Systemen und der passenden Software wahrscheinlich um mindestens 50- 60% einsparen könnte. Genauso sieht es in vielen anderen Verwaltungsebenen in Bund, Ländern und Gemeinden aus. Vielleicht ist das auch der Grund, warum am Signaturgesetz und anderen Bausteinen des eGovernment so lange herumgedoktert wird: dann würden auf einen Schlag Tausende oder gar Hunderttausende Beamte überflüssig. Sie sind auch schon heute überflüssig, aber man wird sie ja nicht los. Während die Unternehmen ihre Prozesse optimieren und ihren Verwaltungsaufwand reduzieren, indem sie Bürokratie entschlacken, blieb die deutsche Beamtenbürokratie bis heute ein extremer und vor allem auch extrem teuerer Wasserkopf. Alleine die Pensionslasten für die verbeamteten Überflüssigen sind erdrückend. Aber eine Reform des Beamtenrechts ins Rollen bringen, damit nicht mehr jeder Aktenschubser im Rathaus gleich verbeamtet wird? Nein, nichts passiert. Im Gegenteil, die Bürokratenkaste sichert sich ihre Pfründe, indem sie überproportional stark in den Parlamenten vertreten ist und dort "Reformen" produziert, die sie selbst nie betreffen. So verwundert es nicht, dass die meisten "Reformen" nicht anderes sind als popelige Lastenverschiebungen zu Lasten der (nicht verbeamteten) Bürger: entweder wird die gleiche Leistung teurer oder es gibt für das gleiche Geld weniger Leistung. Wenn zeitgleich auch noch genügend Abgeordnete von der Finanzwirtschaft geschmiert wurden, kommt eine Verpflichtung und / oder Subventionierung "privater Vorsorge" dazu.

Doch als würde es nicht ausreichen, dass die deutsche Bürokratie zu schwerfällig, zu bürgerfeindlich und zu teuer ist, haben wir als größter Nettozahler auch noch die EU doppelt am Hintern kleben: einerseits finanzieren wir die EU-Bürokratie ebenso wie sinnfreie Fördermittel in ärmeren EU-Staaten, wo diese dann verwendet werden, um z.B. auch Unternehmen aus Deutschland mit Steuergeschenken und Subventionen Standort-Konkurrenz zu machen. War mal eines der hehren Ziele der EU, dass europaweit soziale und ökologische Standards angehoben werden und sich auf ein Level zubewegen sollen, so konkurrieren viele EU-Staaten heute nur noch um Lohn- und Sozialdumping sowie um Steuergeschenke und Subventionen für multinationale Konzerne, die wie Mimosen sofort zickig mit der Abwanderung drohen, wenn sie nicht immer mehr oder zumindest konstant viel Zucker in den Allerwertesten geblasen bekommen. Besonders pervers ist diese Entwicklung meines Erachtens in Deutschland, wo unzählige wirtschaftsnahe "Wirtschaftsforschungsinstitute", an deren Neutralität man berechtigterweise mehr als zweifeln kann, sofort aufschreien und von "Wolken am Konjunkturhorizont" oder der "Eintrübung des XYZ-Geschäftsklimaindex" schwadronieren, sobald auch nur peripher von auch nur so geringen Belastungen oder Kürzungen von Entlastungen wie Subventionen diskutiert wird. Unsere Wirtschaft gleicht einer verwöhn- verwahrlosten Teenie-Göre, die sofort damit droht, sich von Bord (in ein anderes Land) zu stürzen, wenn nicht alles so geschieht, wie es diese Göre will. Widerlich.

Auch besonders toll ist die deutsche "Geiz ist geil" -Mentalität: selbst wenn ein Preis angemessen ist und man ihn sich problemlos leisten könnte, wird immer noch weiter versucht ein "Schnäppchen" zu machen. So herrschen in weiten Teilen des Handels mittlerweile Zustände wie auf einem Gebrauchtwagenmarkt: man beachtet kaum noch, unter welchen kriminellen oder menschenunwürdigen Bedingungen Waren produziert werden. So kauft man mal eben locker den DVD-Player aus China für 20 Euro und ignoriert, dass die Menschen dort als "Produktionsmittel" oftmals unter menschenunwürdigsten Bedingungen arbeiten müssen, kaum nennenswerte Rechte haben und im Zweifelsfall mal eben per Genickschuss hingerichtet werden, wenn sie nicht spuren. Hauptsache billig. Genauso verhält es sich mit Textilien aus China & Co., die nicht nur auch von Kinderhänden gefertigt werden, sondern bei der Produktion nicht selten auch noch ganze Flüße und Landstriche mit Chemikalien verpesten. Egal: Hauptsache billig. Die Deutschen waren dumm genug, auf diesen von oben vermittelten Trend aufzuspringen. Dabei vergessen sie, dass erstklassige Qualität und erstklassiger Service einmal das wichtigste Verkaufsargumente für deutsche Waren und Dienstleistungen im Ausland waren. Wieso sollte man sich selbst also mit weniger zufriedengeben? Aber nein, da kaufen die Mitarbeiter deutscher Auto-Konzerne lieber einen Toyota anstelle eines VW, weil Qualität und Service bei deutschen Produkten mittlerweile so durchschnittlih bis schlecht geworden sind, dass sich kaum noch ein Argument für deutsche Produkte und Leistungen finden läßt. Aber Service und Qualität benötigen Mitarbeiter, Mitarbeiter kosten Geld und schmälern die Rendite, als weg mit Mitarbeitern, Qualität und Service. Schön blöd, Deutschland.

Nun habe ich aber lange genug einige der zahlreichen Missstände in Deutschland aufgezählt. Ich denke, das eine oder andere haben sie so wahrscheinlich für sich selbst auch schon lange erkannt. Sie wissen also nun, dass Sie nicht alleine so denken und dass Sie weder verrückt noch ein Sonderling sind. Egal, in welches Land es Sie verschlagen sollte, machen Sie sich aber eines immer klar: Sie werden nirgendwo so problemlos einreisen können und so viel Unterstützung bekommen wie Immigranten in Deutschland. Während wir jeden anatolischen Bergbauern, der auf einem Esel angeritten kommt, reinlassen und rundum verpflegen, wenn er auch nur eine entfernte Verwandtschaft mit einem hiesigen Gastarbeiter nachweisen kann (was mit ein paar Euro an den entsprechenden anatolischen Meldebeamten schnell der Fall ist), selektieren die meisten anderen Länder mitunter sehr hart aus. Prinzipiell sind zwei Merkmale dabei entscheiden: Entweder haben Sie einen Geschäftsplan und den einen oder anderen Koffer voll Geld oder aber eine Qualifikation, an der ein Mangel besteht, und einen Arbeitsvertrag. Andernfalls müssen Sie damit rechnen, dass sie nach Ablauf des (Touristen-) Visums bzw. nach Ablauf der entsprechenden Frist - in Norwegen sind dies 3 Monate auf der Basis des Schengener Abkommens - gnadenlos abgeschoben werden und ggf. mit einem vorübergehenden Einreiseverbot belegt werden können.

Nun denn, legen wir los!