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Auf dem Weg nach Norden

Selten war der Wunsch auszuwandern so weit verbreitet wie in Deutschland in den letzten Jahren. Ursache dafür ist vor allem Resignation - der Unglaube, dass unsere politischen und wirtschaftlichen Eliten noch einmal von ihrem Kurs gegen das Volk abrücken, endlich dringend notwendige Strukturreform inklusive einer harten Reform des Beamtenrechts vornehmen, so dass Wohlstand für alle und ein menschenwürdiger Sozialstaat wieder eine Chance haben.

So sehen immer mehr Menschen in Deutschland in ihrer Heimat keine Perspektive und suchen diese lieber in einem anderen Land. Denn es dürfte unbestreitbar sein, dass der zunehmende Kontroll- und Überwachungsstaat in Deutschland ebenso die Lebensqualität mindert wie Lohndumping, Sozialraub und der tagtägliche Betrug am Volk durch Egoismus und Korruption unserer Parlamentarier. Die Massenmedien tragen dann letztlich dazu bei, dem Voklk einzubläuen, wie anspruchsvoll und verwöhnt es doch sei, wenn gefordert wird, dass man von einer Vollzeit-Stelle auch menschenwürdig leben können sollte.

Reformen, die diesen Namen verdient hatten, gab es nicht und gibt es nicht. Gerhard Schröders "Agenda 2010" liest sich mehr wie der Wunschzettel von Interessenverbänden der Wirtschaft und des Verwaltungsapparates: Umverteilung von unten nach oben und mehr Bürokratie, damit bloß genügend Beamtenstellen legitimiert werden können.

Dabei wäre es verdammt einfach, denn Deutschland steht nicht als erstes Land vor der dringend notwendigen Modernisierung. Insbesondere skandinavische Länder wie Schwerden, Norwegen und Finnland haben nicht erst beim PISA-Test gezeigt, dass die Politik ihre Hausaufgaben vernünftig gemacht hat. So wird es z.B. in Schweden auch unterlassen, Arbeitslose zu beschimpfen, wenn einem gerade nichts Klügeres einfällt. Im Gegenteil, die Leute kassieren einen hohen Anteil ihres letzten Gehalts weiter und werden zugleich auf hohem Niveau weitergebildet oder umgeschult, damit sie schnellstmöglich wieder auf eigenen Beinen stehen können. So viel Leistung und Flexibilität würde die verbeamteten Verwaltungsapparate in Deutschland heillos überfordern, gilt dort der Wechsel in die Beamtenchaft doch oftmals als vorläufiges Ende der Reise und der weitere Aufstieg wird über Parteizugehörigkeiten und politische Mandate angestrebt. Da ist es natürlich nicht möglich, mit vollem Engagement für die Bürger zu arbeiten, die man - so mein subjektiver Eindruck - jenseits ihrer Funktion als Steuerzahler verachtet.

Ich will Sie aber nicht zu lange mit den Missständen in Deutschland langweilen, die ohnehin jeder kennt, der hart für sein Geld arbeiten muss - und zwar nicht nur wie Parlamentarier debil grinsen, Hände schütteln und realitätsfern herumschwafeln. Ich habe mich jedenfalls dazu entschieden aus Deutschland auszuwandern und dabei auch gleichzeitig die EU zu verlassen, was ich jedem anderen Auswanderungswilligen nur empfehlen kann. Denn solange man in der EU bleibt, hat man auch unter der Bürokratie und Korruption in Brüssel zu leiden. Ein Bekannter meinte einmal, die EU nach heutiger Bauart sei nichts weiter als die Ausdehnung des deutschen Bürokraten-Wahnsinns auf Europa. Diese Einschätzung teile ich durchaus.

Welche Länder bleiben da also noch auf diesem Kontinent, die noch nicht in der EU sind? Für meinen Geschmack - ich mag skandinavische Länder von diversen Urlaubsreisen und einigen Freundschaften mit Einheimischen - kam da nur noch Norwegen in Frage. Das norwegische Volk hat sich in zwei Referenden gegen den Beitritt zur EU ausgesprochen. Wer sich heute den Zustand Deutschlands anschaut, dessen Ursachen vor allem in der Wiedervereinigung und unserer EU-Zugehörigkeit liegt, der weiß, dass diese Entscheidung mehr als weise war. Wozu sollte man die (Standort-) Konkurrenz in Billiglohnländern füttern und den Wohlstand des eigenen Landes den Verwaltungen maroder Staaten vor die Füße werfen, die korrupter sind als Berlin und Brüssel zusammen?